Gehörst Du auch zu den hochkreativen Scanner-Typen? 

Dann kommt Dir sicherlich folgendes Phänomen bekannt vor:

Du arbeitest an einem richtig tollen Projekt, welches Dir wirklich Spaß macht. Es fordert Dich im richtigen Maße heraus, Du kannst kreativ sein und alles ist im Flow. 

An irgendeiner Stelle kommt eine Herausforderung. Das ist ja grundsätzlich erstmal nix schlimmes – und Du weißt, dass Herausforderungen zu jedem Prozess dazu gehören.

Um die Herausforderung anzugehen, fängst Du an, nach Lösungen zu suchen. Vielleicht im Internet. Vielleicht sprichst Du mit Freunden darüber. Du recherchierst und holst Dir Rat ein.

Doch dann kommen sie: Die ganzen NEUEN Möglichkeiten. Interessante Optionen. Neue Welten tun sich auf. Du lässt Dich inspirieren.

Und schwups – bist Du irgendwann gar nicht mehr beim Deinem ursprünglichen Projekt mit der eigentlichen Herausforderung, sondern es entstehen neue Ideen. Dich interessiert ja eigentlich viel mehr… Und Du hast ja auch noch viel mehr zu bieten als nur… (bitte selber ausfüllen)

Wie wäre es, wenn ich ein neues Projekt starte? Ein neues Produkt kreiere? Mit einer neuen Zielgruppe arbeite? Oooooh, das Gehirn läuft auf Hochtouren und entwirft in Windeseile das nächste Projekt, das nächste Produkt und die nächste Marketing-Strategie für eine neue Zielgruppe.

Es scheint, als KANN es gar nicht anders! Ehe Du Dich versiehst, bist Du vom ursprünglichen Fahrplan abgewichen und fängst etwas Neues an…

Weil es sich so gut anfühlt. Weil es Dich so lebendig macht. Weil die neue Idee einfach so GENIAL ist und UNBEDINGT in die Welt muss!! 

Kennst Du das auch von Dir? 

Wenn ja, dann hast Du mit Sicherheit auch bereits mehr als einmal die Konsequenzen davon erfahren dürfen: tausend angefangene Projekte, nichts zu Ende gebracht. Viele tolle Projektskizzen, nichts davon so umgesetzt, dass Du daraus eine Ernte beziehen kannst. 

Hinzu kommen die Selbstzweifel und die Scham. Bin ich ein Looser? Werde ich jemals überhaupt erfolgreich sein?

Ja, ich bin ein vielseitig interessierter Projekt-Mensch. Stecke mich bitte nicht in eine Arbeit, die ich tagein-tagaus gleichbleibend durchführen soll. Es macht mich WAHNSINNIG, wenn Dinge keinen Anfang und kein Ende haben. Wenn sozusagen der Spannungsbogen fehlt und es immer nur um die Wiederholung desselben geht.

Ich habe deshalb so gerne Architektur studiert, weil ich genau diese Projekt-Arbeit liebe: Kreativ sein, entwerfen, planen, ausführen, fertig. Pause. Nächstes Projekt.

Das Problem liegt allerdings meistens in der Ausführungsphase: Wehe, wenn Schwierigkeiten oder Herausforderungen auftauchen. Dann verliere ich gerne mal das Interesse und flüchte mich in die o.g. neuen Möglichkeiten. Dann „erlaube“ ich mir, wieder kreativ zu sein – und mache dabei einen großen Kardinalfehler! 

ICH VERLIERE DEN FOKUS.

Ich meine, dass das, was mein Gehirn so kreativ ausspuckt oder mir andere da draußen so erfolgreich vormachen, zum Erfolg führen wird. Ich lasse mich sozusagen verführen, meinen eingeschlagenen Weg zu verlassen. Denn: Diese neue Idee ist mit SICHERHEIT NOCH besser als das bestehende Projekt, an dem ich gerade arbeite.

Mein Coach Sigrun nennt das dann „Shiny-Object-Syndrom“. Wir rennen immer dem nächsten, glänzenden und oh so verführerischen Objekt hinterher – und machen uns dabei selber etwas vor.

Ideen gibt es im Dutzend billiger. Und Erfolg entsteht nicht im Kopf oder auf dem Papier. Zu Erfolg gehört die KONSEQUENTE UMSETZUNG. Das wirkliche TUN und das DRANBLEIBEN. 

Wie schwer das in unserem digitalen Zeitalter ist, sehen wir an unserer allgemein sinkenden Aufmerksamkeitsspanne. Wer es nicht schafft, Social Media, Mobiltelefon und Email-Benachrichtigungen konsequent auszuschalten um produktiv zu sein, hat ja schon verloren.

Das Problem ist, dass wir das Internet brauchen – zum einen, um auf Social Media von unseren KundInnen gefunden zu werden. Zum anderen, um eben gezielt nach Lösungsoptionen zu suchen, wenn wir selber in einem Projekt hängen bleiben.

Was also tun? 

Oder, anders ausgedrückt: Wie werde ich zum erfolgreichen FOKUSPRENEUR?

Aus meiner Sicht braucht es da dreierlei: Disziplin, Gewohnheiten & Unterstützung.

DISZIPLIN

Wir sind unser eigener Boss. Es gibt niemanden da draußen, der uns Selbstständigen sagt, was als Nächstes zu tun ist. Wir sind frei (HURRA!) und müssen mit dem Nachteil dieser Freiheit klarkommen: Der Beliebigkeit. Wenn wir unseren Disziplin-Muskel nicht trainieren, werden wir immer wieder den oh so tollen Möglichkeiten auf den Leim gehen. Dann machen wir mal dies, mal jenes – mal für diese Zielgruppe, mal für jene.

Ganz ehrlich? Leute, die jedes halbe Jahr mit neuen Projekten und Positionierungen um die Ecke kommen, kann ich auf Dauer leider echt nicht mehr Ernst nehmen… 

Also Disziplin. Einfacher gesagt als getan!

Die gute Nachricht: Du musst nicht durchgängig 24/7 diszipliniert sein. Denn wenn Du den Eindruck hast, dass Du diese Willenskraft ständig aufbringen musst, dann stimmt etwas Grundlegendes nicht. Dann würde ich Dir raten, nochmal zurück zu Deinem Warum, zu Deiner Geschäftsidee und zu Deinem Geschäftsmodell zu gehen. Denn in einer Selbstständigkeit sollte erstmal die Basis für Flow und Kreativität vorhanden sein.

Wenn auf der Ebene alles stimmt und Du grundsätzlich Deine Arbeit liebst, dann braucht es eigentlich nur Disziplin in den neuralgischen Momenten, wo Du verführt wirst, Deinen Weg und Deinen Fokus zu verlieren.

Und um diese Disziplin regelmäßig aufzubringen, braucht es zunächst die Fähigkeit, diese Momente zu erkennen. Was machst Du genau, wenn es herausfordernd wird? An welcher Stelle verlässt Du gedanklich Deinen Weg? In welchem Moment setzen die Zweifel ein, ob das aktuelle Projekt überhaupt das Richtige ist?

Setze Dich mal eine halbe Stunde hin, wenn Du dieses Phänomen bemerkst! Halte inne und schreibe genau den Vorgang auf oder reflektiere mit einem Partner darüber. Du wirst Muster erkennen. Deine eigenen Muster, die Dich in eine Richtung abbiegen lassen, die Dir nicht gut tut.

Und dann kannst Du gegensteuern: Beim nächsten Mal bekommst Du vielleicht schon bewusst mit, was da genau passiert. Du darfst dann die Willenskraft aufbringen, die es braucht, um nicht wieder in die gleiche Falle zu tappen. Bei diesen ersten Malen braucht es viel Disziplin. Und ja, es kann auch mal daneben gehen. Aber mache Dir dann bitte keine Vorwürfe, sondern stehe wieder auf und verspreche Dir selber, dass es beim nächsten Mal besser wird.

GEWOHNHEITEN

Gewohnheiten sind Verhaltensmuster, die wir so einverleibt haben, dass wir kaum darüber nachdenken, geschweige denn viel Energie dafür aufwenden müssen, sie durchzuziehen.

Wenn Du von dem „Shiny-Object-Syndrom“ weg kommen und ein Fokuspreneur werden willst, dann wirst Du manche, nicht-dienliche Gewohnheiten ändern müssen.  

Disziplin braucht Kraft. Gerade, wenn wir das erste Mal eine Gewohnheit ändern wollen. Wenn wir aber genau wissen, in welchem Bereich Gewohnheitsänderungen vonnöten sind, und wenn Du wirklich zum Fokuspreneur werden WILLST, dann hast Du bereits die wichtigste Zutat, um eine Gewohnheitsänderung zu vollziehen: die innere MOTIVATION.

Diese innere Motivation können wir jetzt bewusst in den Situationen einsetzen, in denen wir uns dabei ertappen, den Fokus zu verlieren und vom Weg abzukommen. Schreibe Dir doch mal von der Seele herunter, WARUM Du ein bestimmtes Projekt machst. Wie dient dieses Projekt Deiner Lebensvision? Was möchtest Du mit diesem Projekt mittel- und langfristig erreichen? (Und „Projekt“ kann heißen: Produkt, Marketing-Strategie, Team-Aufbau, etc.)  

Und dann nimm diese Notizen zur Hand, wenn Du merkst, dass Du abschweifst und neue Ideen entwickelst, obwohl Du das aktuelle Projekt noch nicht zu einem erfolgreichen Abschluss geführt hast. Verbinde Dich wieder mit dem Ziel und Zweck dieses Projekts – anstatt draußen nach Lösungen für Deine Herausforderungen zu suchen.

Oft sind die Lösungen nämlich nicht da draußen zu finden, sondern liegen in uns selber.

Ändere Deine Gewohnheiten dahingehend, dass Du Abstand nimmst vom Projekt anstatt mit einer wilden Recherche anzufangen. Geh raus in die Natur. Widme Dich Deinem Hobby. Mach was Verrücktes. Egal was – Hauptsache, Du gewöhnst Dir die Verhaltensweisen oder Gedankenmuster ab, die Du in der Übung zur Disziplin für Dich erkannt hast und Dir nicht weiter dienlich sind.

Entscheide Dich für EINE Sache, die Du in diesen Momenten machen wirst. Probiere sie ein paar Mal aus – und wenn sie funktioniert: Bravo! Wenn nicht, versuche etwas anderes. Hauptsache, Du hast irgendwann ein alternatives Verhaltensmuster, mit dem Du die alte Gewohnheit überschreiben kannst.  

Und dann gibt es natürlich noch die präventiven Fokuspreneur-Gewohnheiten: Was macht ein Fokuspreneur? Wie verhält er/sie sich auf einer täglichen Basis?

Versetze Dich mal in einer ruhigen Minute in Dein Zukunfts-Ich: Der Fokuspreneur ist Realität. Wie sieht der Tag aus? Welche Gewohnheiten prägen die Arbeit? Wie sorgt er/sie immer wieder dafür, dass die Batterien aufgeladen sind? Lasse das Bild so konkret wie möglich entstehen und schreibe es detailliert auf.

Und dann extrahiere die Gewohnheiten, die Du ab jetzt in Dein Leben integrieren willst. Sorge diszipliniert dafür, dass eine Gewohnheit nach der anderen Normalität wird. Und auch hier: bleibe fokussiert! Es reicht, erstmal EINE neue Gewohnheit zu etablieren – und dann vielleicht in 3 Wochen die nächste. Schreibe sie in Deinen Kalender, um Dich daran zu erinnern und nimm Dir wieder die Notizen zur Hand, wenn es um die nächste Gewohnheit geht. 

Dein Zukunfts-Ich zeigt Dir den Weg!

UNTERSTÜTZUNG

Noch einfacher geht das Ganze, wenn Du Dir soziale Unterstützungssysteme erschaffst: Buddies, Accountability-Partner, Mastermind-Gruppe, MentorIn, etc.

Wir Menschen sind nunmal kreative Wesen. Und von innen heraus können wir oft den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr erkennen. Dann erscheint uns unsere neue Idee wirklich so großartig, dass wir vollkommen selbstverliebt alles andere über Bord schmeißen und ihr folgen. Oder wir bleiben vor lauter Möglichkeiten wie gelähmt stehen und setzen weder das eine noch das andere um.

Wie hilfreich ist es in solchen Momenten, wenn jemand von außen, der/die uns schon länger begleitet und Verständnis für dieses Phänomen hat, dann eine klarere Perspektive auf Deinen Weg hat. Natürlich: Unsere Entscheidungen müssen wir selber treffen. Und manchmal ist eine Kurs-Korrektur auch die richtige Entscheidung. 

Allerdings haben wir als vielseitig Interessierte ja eher die Tendenz, den Kurs ein wenig zu oft korrigieren zu wollen – um dann teilweise auch komplett vom Weg abzukommen.

Eine äußere Perspektive hilft uns dabei, uns wieder mit unserem ursprünglichen Warum zu verbinden und den Blick zu weiten: Auf das größere Bild und auf den langfristig nachhaltigen Erfolg. Gleichgesinnte (entweder auf Augenhöhe wie in einer Mastermind-Gruppe oder als MentorIn ein paar Schritte weiter) können uns ermutigen dranzubleiben – das ursprüngliche Ziel im Auge behaltend. Da diese nicht den inneren Weg Deiner Suche nach Lösungen gegangen sind, aber Dein ursprüngliches Ziel kennen, können sie oft viel besser sehen, ob eine Neuausrichtung Deinem Ziel dienlich ist – oder ob Du mit Deinen neuen Ideen irgendein Vermeidungsverhalten zeigst.

Denn oft ist es so: Im Grunde haben wir nicht nur Angst vor dem Scheitern – sondern vor allem auch vor dem Erfolg. Und dieses neue-Ideen-produzieren kann u.U. auch ein Prokrastinationsmechanismus sein, mit dem Du Deinen eigenen Erfolg regelrecht boykottierst. (Aber das ist ein Thema, welches einen gesonderten Blogartikel wert ist…)

FAZIT

Kreativität, Vielseitigkeit und Offenheit sind oft großartige Ressourcen für Selbstständige. Ohne diese Merkmale würden wir wohl nicht immer wieder die Energie aufbringen, die mit der Selbstständigkeit einhergehenden Herausforderungen zu meistern. 

Der Nachteil ist, dass wir dadurch manchmal den Fokus verlieren und uns selber von unserem möglichen Erfolg abhalten.  

Um diesen Nachteil auszugleichen und von einem „shiny-object“-Preneur zu einem Fokuspreneur zu werden, braucht es Willenskraft: Die Kraft und Disziplin, unseren eigenen Verhaltensmustern auf den Leim zu gehen und unbewusste Gewohnheiten in nachhaltig Erfolgreiche zu verwandeln.

Soziale Unterstützungssysteme unterstützen Dich dabei!


 

Also, jetzt bin ich gespannt: Kennst Du das Phänomen auch? Und wenn ja, was sind bei Dir die Auswirkungen bzw. wie gehst Du damit um? Hast Du vielleicht Herangehensweisen für Dich entwickelt, die Dir helfen, ein Fokuspreneur zu sein? 

Schreib doch mal Deine Erfahrungen und Tipps in die Kommentare – dann können wir alle voneinander lernen und profitieren!

INKLUSIVE: CHECKLISTE, MIT DER DU GLEICH LOSLEGEN KANNST!

KOSTENLOSES HANDBUCH: Wie nutze ich eine Facebook-Gruppe für meine Mastermind?

Austausch und Commitment sind die beiden wichtigsten Zutaten für eine erfolgreiche Mastermind-Erfahrung.

Wie man beides optimal mit Hilfe einer Facebook-Gruppe fördert, zeige ich Dir Schritt für Schritt in diesem ausführlichen, 25-seitigen Handbuch.

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